Laufrichtungsgebundene Kabel |
Laufrichtungsgebundene Cinch und Lautsprecherkabel - was bingen sie wirklich?
|
| Ein weiteres Glied im Hifi Voodoo Kult für den Freaks, welcher sich noch nicht mit der Elektrotechik beschäftigt hat sind die laufrichtungsgebundenen Kabel. Diese "Zauberkabel" findet man in den Ausführungen des Cinch und der Lautsprecherkabel und sie sollen wie alle Hifi-Voodoo-Artikel eine deutlische Verbesserung der Klangeigenschaften der Hifianlage bringen. Die Erfinder dieser Kabel dachten sich wahrscheinlich, was für die Reifenindustrie gut ist, welche auch laufrichtungsgebundene Reifen anbietet, kann im Hifibereich nicht verkehrt sein. Doch was in der Autobranche durchaus Berechtigung findet, ist im Hifibereich mehr als unsinnig!
Denn das Prinzip ist auf die Kabel im Hifibereich nicht übertragbar, denn im Audiobereich hat man es immer mit Wechselspannung / Wechselstrom zu tun. Wird ein Ton wiedergegeben, so steigt die Spannund, bzw. der Strom vom Nullpunkt aus an, erreicht seinen Spitzenwert, fällt wieder zum Nulldurchgang hin ab bis zum negativen Spitzenwert und fällt wieder zum Nullpunkt hin ab. Dieses wiederholt sich so lange, bist der Ton abgeschalten wird. Dabei bestimmt die Kurvenform die Klangfarbe und die Zeit wie schnell ein Durchgang (Nullpunkt, positiver Spitzenwert, Nullpunkt, negativer Spitzenwert, Nullpunkt) abgeschlossen ist die Tonhöhe. Je schneller ein Durchgang statt findet, desto höher wird der Ton, welcher wiedergegeben wird.
Ein Gesamtdurchgang setzt sich aus einer positiven und negativen Halbwelle zusammen. Bei der positiven Halbwelle fließt der Strom in eine Richtung und bei der negativen Halbwelle fließt der Strom in die andere Richtung. Das Bild zeigt eine Durchgang jeweils für einen Lautsprecher und einen Verstärker.
| | |  | | | Im linken Bildteil sind die Verhältnisse während der positiven Halbwelle dargestellt: Der Strom fließt vom oberen Verstärkeranschluß durch den Lautsprecher hindurch zurück zum unteren Verstärkeranschluß. Die Membran des Lautsprechers bewegt sich dabei nach vorne (roter Pfeil). Die Verhältnisse während der negativen Halbwelle sind hingegen im rechten Bildteil dargestellt: Der Strom fließt vom unteren Verstärkeranschluß durch den Lautsprecher hindurch zurück zum oberen Verstärkeranschluß, wodurch sich die Membran nach hinten bewegt. Der Strom auf der oberen und unteren Leitung von/zum Verstärker ist immer gleich groß, denn die Elektronen, die den Strom verursachen, werden nicht verbraucht, sondern können lediglich ihren Ort verändern, d.h. wie Wasser in einer Leitung von einer Stelle zur anderen fließen.
Im o.g. Beispiel bezieht sich auf einen Verstärker mit einem daran angeschlossenen Verstärker, wobei in der Praxis als Kabel normalerweise Zwillingslitze verwendet wird, d.h. die obere und untere Leitung im Bild sind in der Praxis gleich dick. Die Verhältnisse ändern sich jedoch nicht, wenn man ungleich dicke, mehrere parallele, abgeschirmte, verflochtene oder koaxiale Kabel verwendet. Hierbei besitzen die im Bild obere und untere Leitung lediglich einen unterschiedlichen ohmschen Widerstand. Dem Strom ist es völlig egal, ob er durch die niederohmigere Leitung zum Lautsprecher fließt und durch die höherohmige zurück oder umgekehrt; die Stromstärke in der ganzen Leitung incl. Lautsprecher ist zu jedem beliebigen Zeitpunkt ohnehin immer gleich. Die Auslenkung des Lautsprecher und damit die Schallabstrahlung ist in beiden Fällen völlig identisch.
Ein wichtiger Punkt ist, daß im zeitlichen Mittel immer genausoviel Strom in die eine wie in die andere Richtung fließt. Andernfalls besäße das Signal eine Gleichstromkomponente, die den Lautsprecher konstant in eine Richtung auslenkt und seine Ruheposition verändert. Eine nennswerte Gleichstromkomponente würde den Lautsprecher sogar zerstören, weshalb jeder bessere Verstärker sogar Schutzschaltungen besitzt, die die Beaufschlagung des Lautsprechers mit Gleichstrom auch im Falle eines Gerätedefekts verhindern. Da der Strom einmal in eine Richtung und anschließend genau umgekehrt fließt, macht ein laufrichtungsabhängiges Kabel absolut keinen Sinn. Es würde ja eine Halbwelle anders behandeln als die andere und somit das Signal verfälschen. Dies gilt selbstverständlich auch für Signalkabel wie z.B. die Verbindung zwischen CD-Spieler und Verstärker, wo üblicherweise ein abgeschirmtes Kabel zum Einsatz kommt, bei dem der Innenleiter aus einem dünnen Draht und der Außenleiter aus einem Drahtgeflecht mit viel größerem Querschnitt besteht. Auch hier fließt während der positiven Halbwelle der (geringe) Signalstrom vom CD-Spieler durch den Innenleiter zum Verstärker und durch den Außenleiter zum CD-Spieler zurück sowie während der negativen Halbwelle vom CD-Spieler durch den Außenleiter zum Verstärker und durch den Innenleiter zum CD-Spieler zurück.
Abgesehen davon, daß laufrichtungsgebundene Kabel aus sehr einleuchtenden Gründen absolut keinen Sinn machen würden, gibt es auch überhaupt keine Leiter- oder Halbleitermaterialien, die Strom in einer Richtung besser durchlassen als in einer anderen. Bauelemente, die dazu in der Lage sind, sind beispielsweise Dioden, die man aus zwei komplementär dotierten Halbleitermaterialien in einem komplizierten Prozeß herstellen kann. Ein Kabel kann man so keineswegs herstellen. Kupfer oder andere metallische Leiter kann man durch keine wie auch immer geartete Behandlung oder Bearbeitung dazu bringen, Strom in einer Richtung besser zu leiten. Auch ist es nicht möglich, andere Parameter wie beispielsweise Induktivität oder Kapazität richtungsabhängig zu machen. Laufrichtungsgebundene Kabel sind daher ganz klarer Betrug! Man könnte fast schon den Eindruck gewinnen, daß die Hersteller bzw. Verkäufer solchen Unfugs lediglich eine Studie betreiben und austesten wollen, wieviel Prozent der Kundschaft sich mit welchen Argumenten das Geld für absolut wirkungslose Produkte aus der Tasche ziehen läßt. | | |
|
|