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Netzkabel - Plicht für die High End Anlage? |
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Netzkabel - Plicht für die High End Anlage?
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| Das Netzkabel ist bei üblichen HiFi-Geräten so gut wie immer fest montiert und kann nur in einer Werkstatt ausgetauscht werden. Der Stecker ist aus gutem Grund nur 2polig und besitzt keinen Schutz-Erde-Anschluß, wie sie ihn z.B. vom PC her kennen. Der Erdanschluß war ursprünglich dafür gedacht, das meist metallische Gehäuse mit Erde zu verbinden. Andernfalls stünde im Falle eines Isolationsschadens das Gehäuse unter Spannung, wodurch mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit der Benutzer getötet würde, wenn er es berührt. Durch die Erdverbindung erreicht man, daß erstens das Gehäuse immer spannungslos und damit ungefährlich ist und es zweitens im Gerät einen satten Kurzschluß gibt, wenn ein spannungsführender Draht das Gehäuse berührt, wodurch sofort die Sicherung der Hausinstallation herausspringt und den Strom abschaltet. Leider gibt es einen sehr großen Nachteil: Wenn aus irgendeinem Grund die Erdverbindung unterbrochen ist (z.B. durch Do-it-yourself am Netzstecker oder an Verteilersteckdosen), wirkt der ganze Schutz nicht mehr. Im Gegenteil kam es oft genug vor, daß die für die Erdverbindung zuständige Leitung die spannungsführende berührte und damit der Anwender hochgradig gefährdet war.
Nicht zuletzt wegen leider zahlreichen Todesfällen setzten sich Geräte der Schutzklasse II durch. Bei Ihnen gibt es keine Erdverbindung. Das Gehäuse darf zwar weiterhin metallisch sein, aber der Hersteller muß durch besondere Isolationsmaßnahmen sicherstellen, daß das Gehäuse im Falle eines Defekts nach menschlichem Ermessen nicht unter Spannung stehen kann. Und genau dies wird bei HiFi-Geräten praktiziert. Soweit zur elektrischen Sicherheit und dem Grund für das lediglich zweiadrige Netzkabel. Aber nun zum Einfluß auf den Klang.
Das Netzkabel hat wie nicht anders zu erwarten die Aufgabe, den Strom von der Steckdose ins Gerät zu leiten, genaugenommen über den Netzschalter und eine eingebaute Sicherung gegen Überstrom sowie meistens eine zusätzliche Temperatursicherung zum Transformator, der die Netzspannung auf die vom Gerät benötigte Betriebsspannung heruntertransformiert. Meistens findet sich eine symmetrische Spannungsversorgung, d.h. es gibt eine positive und eine gleichgroße negative Betriebsspannung. Ein Vorverstärker wird üblicherweise intern mit +/- 15 V , ein leistungsstarker 200-W-Endverstärker hingegen mit beispielsweise +/- 60 V betrieben. Die Primärseite des Transformators ist aus relativ dünnem Draht gewickelt. Sie besitzt neben einer relativ großen Induktivität einen ohmschen Widerstand von einigen Ohm.
Die Stromaufnahme beträgt selbst bei einem 200-W-Stereo-Verstärker (Sinus-Dauerleistung!) bei dauerhafter Vollaussteuerung lediglich etwa 2 A. Die Anforderungen an das Netzkabel sind daher extrem gering. Es muß lediglich so dick sein, daß es keinen allzugroßen Spannungsabfall und damit Verlustleistung produziert, so daß es warm wird. Diese Anforderung wird durch den üblichen Drahtquerschnitt von 0,75 mm² leicht erfüllt. Man braucht noch nicht mal auf einen extrem geringen Spannungsabfall zu achten, da die Netzspannung ohnehin über den Tag gesehen locker um mehrere Volt nach oben oder unten schwanken kann.
Speziell für HiFi-Zwecke werden spezielle Stromverteilerleisten angeboten, die nicht wie im Baumarkt zwischen 1 und 10 Euro kosten sondern einige hundert Euro. Man bewirbt diese speziellen Verteilerleisten damit, daß das Zuleitungskabel besonders hochwertig sei und daß vor allem die interne Verbindung unter Verwendung exotischer Materialien außerordentlich niederohmig sei. Speziell der niedrige Übergangswiderstand der Schutzerdeleitung (oft auch Masseleitung genannt) wird immer wieder hervorgehoben. Wie oben dargestellt besitzen aber HiFi-Geräte überhaupt keinen Schutzerdeanschluß, und die Anforderungen an die Netzzuleitung sind extrem gering. Und was passiert zwischen dem total überteuerten Zuleitungskabel der Steckerleitung und der nächsten Umspannstation, also dort wo der Strom herkommt? Zunächst fließt der Strom zig Meter durch die billigen, recht dünnen und vielleicht schon uralten Leitungen der Hausinstallation, deren einzelne Segmente normalerweise über zahlreiche Lüsterklemmen (Übergangswiderstand!) miteinander verbunden sind. Zusätzlich sind in der Hausinstallation üblicherweise ein elektromechanischer Sicherungsautomat mit relativ hoher Induktivität und nicht zu vernachlässigendem ohmschem Widerstand sowie eine Panzersicherung vorhanden. Danach folgen bis zu einigen Kilometern Erdkabel oder Freilandleitung. Es gibt also absolut keinen Grund, warum ausgerechnet die letzten ein bis zwei Meter von bis zu mehreren Kilometern Kabel besondere Eigenschaften besitzen sollten, zumal sich zwischen Verteilerleiste und HiFi-Gerät auch wieder ganz profanes Standardkabel befindet. Es ist einfach unverschämt, mit welcher Dreistigkeit versucht wird, absolut unwirksame Produkte für extrem viel Geld uninformierten Leuten unterzuschieben.
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